Die Jean Paul Stube in der Rollwenzelei zu Bayreuth

Im August 1804 zieht der Dichter Johann Paul Friedrich Richter, genannt Jean Paul (1763 – 1825), mit seiner Frau Karoline nach Bayreuth, das zu dieser Zeit noch unter preußischer Herrschaft steht.

Schon bald entdeckt er auf dem Weg zur Eremitage ein vor den Toren der Stadt gelegenes Gasthaus, betrieben von den Eheleuten Friedrich und Anna Dorothea Rollwenzel. Jean Paul wird bald ständiger Gast in der Rollwenzelei. Die Wirtsleute stellen ihm sogar ein eigenes Zimmer zur Verfügung, jenes bis heute erhaltene „Jean Paul Stübchen“, das er bis zu seinem Tod am 14.11.1825 fast täglich aufsucht. Es ist überliefert, wie sehr er die Gespräche schätzte, ebenso wie die Fürsorge, die ihm "die Rollwenzelin" angedeihen ließ. Immer stand ein Topf mit gekochten Kartoffeln und das von ihm so hoch geschätzte Bier bereit. Und immer stand ein Blumenstrauß auf dem Tisch.

Karoline Richter schreibt 1818 über ihren Mann Jean Paul und die Rollwenzelin an Ernestine Voß: „ … Sie liebt meinen Mann aus wahrem Gefühl seines Wertes, und sie wird mit ihm zur Unsterblichkeit gelangen.“

Jean Paul vergaß nie seine ärmliche Kindheit als Sohn eines Pfarrers und Lehrers und war sein Leben lang ein bescheidener Mann. So befinden sich in dem Stübchen nur die notwendigsten Einrichtungsgegenstände – dafür ein weiter Blick über Wiesen und Felder bis hin zum Rauen Kulm. Hier kann sich der Geist frei entfalten, hier findet Jean Paul die nötige Ruhe.

Diese Stube ist heute das wohl kleinste Museum Deutschlands.

„Das ist die Stube! Hier hat Jean Paul seit zwanzig Jahren fast tagtäglich gesessen und geschrieben; hier an diesem Tische hat er gearbeitet, viel gearbeitet, ach Gott, er hat sich zu Tode gearbeitet.
(Frau Rollwenzel über Jean Paul, kurz nach seinem Tod)

Doch der Zahn der Zeit nagt an der Stube und den Gegenständen, die sich darin befinden.

Der „Verein zur Erhaltung von Jean Pauls Einkehr- und Dichterstube in der Rollwenzelei“ e.V. versucht seit Anfang 2007 Spender und Sponsoren zu finden, um das Stübchen zu restaurieren und zu erhalten, sowie über literarische Veranstaltungen  das Andenken Jean Pauls zu beleben.

Die Gründungsmitglieder hoffen auf die Unterstützung all derjenigen, die dieses kulturhistorisch wertvolle Kleinod schätzen und es bewahrt sehen möchten.

 „Die Erinnerung ist das einzige Paradies, woraus wir nicht vertrieben werden können.“
(Jean Paul, Aphorismen)

 

Dringlichste Maßnahmen nach Begutachtung durch das Amt für Denkmalschutz und weiterer Gutachten durch engagierte Restauratoren sind:

1. Restaurierung der Fenster und Vorhänge:

Die Restaurierung der Fenster steht an erster Stelle, da sie schwer beschädigt sind.

Der heutige Vorhang ist neu und entspricht nicht dem Aussehen von früher. Nach alten Vorlagen soll der ursprüngliche Vorhang angefertigt und wieder angebracht werden. Dies übernimmt der Frankenbund, der über seinen Vorstand Frau Konrad dafür Spenden gesammelt hat.

2. Restaurierung der historischen Gästebücher

Für die Restaurierung der Bücher ist der größte Teil der Finanzierung über den Frankenbund und die Jean Paul Gesellschaft gesichert. Es fehlen noch etwa 1.000,- €.

Diese Seite zeigt das berühmt gewordene Wort Alfred Kerrs, das Jean Paul als den „wahren Meister von Bayreuth“ rühmt:

 

3. Restaurierung der Türen

Die Türen sollen so restauriert werden, wie sie nach alten Bildern zu Zeiten Jean Pauls ausgesehen haben. Auch die Beschläge sollen zeitgemäß nachgebildet werden.

 

4. Raumfassung

Die Wände und Decke wurden im Lauf der Zeit immer wieder gestrichen, was an einigen Stellen gut zu sehen ist. Auch sie sollen in ihren ursprünglichen Zustand versetzt werden.

 

5. Kaminofen

Der mit verschiedenen Motiven geschmückte Kaminofen soll instand gesetzt werden.

 

6. Haube der Rollwenzelin

Hierfür müssen noch Kostenvoranschläge eingeholt werden. Auf einem Portrait der Frau Rollwenzel, das am 4. Juni 1853 dem Stübchen von Herrn von Hagen gestiftet wurde (Quelle: s.o. unter 3.), ist sie zu sehen. Die Haube ist noch da, kann aber im jetzigen Zustand bestenfalls erraten werden.

7. Mobiliar

Sofa und Stühle müssen aufgepolstert und befestigt werden.

Der Stoff soll, auch wenn er verblasst ist, erhalten bleiben – darauf saß Jean Paul.

 

Weitere Vorhaben:
Die zweite Tür im Jean Paul Stübchen führt in ein kleines Kämmerchen.
Wenn es abends zu spät wurde, schlief hier Christian Otto, der Freund Jean Pauls. Das Bett ist noch vorhanden.
Dieses Kämmerchen soll auch wieder entsprechend hergerichtet werden.

Die Jean Paul Stube kann nicht beheizt werden. Für die Bilder und vor allem die Gästebücher bedeutet dies, zerstörerischen Witterungsverhältnissen ausgesetzt zu sein. Deshalb möchte der Verein neben den Restaurierung der Jean Paul Stube und deren Inventar einen zusätzlichen Ausstellungsraum in der Rollwenzelei einrichten, in dem die Gästebücher, Grafiken, Haube und evtl. weitere Ausstellungsstücke präsentiert werden können.

Für die Gestaltung des Raumes und Präsentation der Objekte fallen weitere Kosten an (Vitrinen, Schautafeln, etc.).

Kosten
Für den ersten, oben ausgeführten Restaurierungsschritt rechnet der Verein mit Kosten in Höhe von ca. 20.000,- €, die mit Hilfe von Förderern, Spenden, Zuschüssen und Benefizveranstaltungen gedeckt werden sollen.

Die zeitliche Abfolge der einzelnen Maßnahmen ist abhängig von der Finanzierung.

Höchste Prioritäten haben jedoch die Restaurierung der Gästebücher und der Fenster um weitere Schäden und Verluste zu vermeiden.

Für die weiteren Vorhaben müssen noch rechtliche Fragen abgeklärt und Kostenvoranschläge eingeholt werden
Alle Maßnahmen sollen bis zum 250. Geburtstag Jean Pauls im Jahr 2013 durchgeführt sein.

Danke!
Etliche Einzelpersonen, Vereine, Gesellschaften, Stiftungen und die Stadt Bayreuth unterstützen das Vorhaben „Jean Paul Stübchen“ mit großem Engagement und tatkräftiger Hilfe.

Dafür dankt der „Verein zur Erhaltung von Jean Pauls Einkehr- und Dichterstube in der Rollwenzelei“  jeder und jedem Einzelnen sehr!

Telefon: 0921 - 98 02 18 Rollwenzelei | Königsallee 84 | D-95448 Bayreuth info@jeanpaulstube.de